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Stader Tageblatt vom 20. November 2002

Stadt Stade will keinen Eklat um SS-Mann
Israel-Wochen: Vortrag über NS-Schule aus Programm genommen / DIG-Vorsitzender Meves soll Zündstoff geliefert haben

Ein Meinungsbeitrag von Sigrid Quäker
Die für Mai 2003 geplanten Israelischen Kulturwochen sollen durch keinen Eklat verdüstert werden. Eine Vortragsveranstaltung, die dafür wahrscheinlich Zündstoff geliefert hätte, wurde von der Stadt Stade aus dem Programm genommen. Dass eine Vorwarnung von Dr. Peter Meves dafür entscheidend war, wird offiziell nicht bestätigt.
Das kolportierte neueste Vorpreschen des Vorsitzenden der Stader Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-israelischen Gesellschaft (DiG) hat aber offenbar bei Bürgermeister Hans-Hermann Ott das Fass zum Überlaufen gebracht: Er und mit ihm die CDU-Fraktion wollen nach Otts Worten mit der Stader DiG nicht mehr gemeinsame Sache machen, solange Meves für sie spricht.
Thema der abgesetzten Veranstaltung sollte die Israelische Gartenbauschule Ahlem in Hannover sein. Hier wurden von 1893 bis 1942 Jugendliche als Handwerker, in der Landwirtschaft und als Gärtner ausgebildet. Nach Schließung aller jüdischen Schulen wurde die Gartenbauschule als Sammellager für die Deportation von Juden und Christen jüdischer Herkunft nach Theresienstadt und in die Vernichtungslager genutzt. Im Einsatz war hier nach gesicherten Erkenntnissen auch ein noch lebender Stader SS-Mann. Er wurde dafür 1947 zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, wovon er dreieinhalb Jahre abgesessen hat.
Wie dem TAGEBLATT aus Insider-Kreisen zugetragen wurde, hat Meves, angekündigt, während des Vortrages, den Historiker aus Hannover halten sollten, den Namen des heute 94-jährigen Kaufmanns öffentlich zu machen. Kulturdezernentin Dr. Andrea Hanke und der Initiator der Vortragsveranstaltung, Stadtarchiv-Chef Dr. Jürgen Bohmbach wollten dazu auf TAGEBLATT-Anfrage nicht Stellung nehmen.
Nicht aufgehoben sondern nur aufgeschoben sei die Veranstaltung, betont Bohmbach, und gibt dafür eine weniger anstößige Begründung: Die Möglichkeit nämlich, »dass die Bedeutung Ahlems als Deportationsstelle ein Übergewicht gewonnen hätte, das mit der Absicht der Kulturwochen, die zeitgenössische Kultur Israels zu präsentieren, nicht in Einklang gestanden hätte«. Keinesfalls, erklärt auch Hanke zu den in ganz Niedersachsen geplanten Kulturwochen, solle es dabei um Vergangenheitsbewältigung gehen.
Den bei erster Vorstellung des Kulturwochenprojekts im September im Kulturausschuss von Oliver Grundmann (CDU) angemahnten »örtlichen Bezug« des Vortragsthemas stellte Bohmbach seinerzeit über eine Stader Jüdin her: Sie sei über Ahlem nach Theresienstadt deportiert worden. Nachforschungen Bohmbachs haben inzwischen ergeben, dass diese bisherige Annahme unwahrscheinlich ist. Ohnehin aber sei die Vortragsidee nicht örtlich begründet gewesen. Anlass sei vielmehr das verfallende und von Abriss bedrohte Mädchenhaus in Ahlem gewesen, das als am Besten erhaltenes Zeugnis der Gartenbauschule gilt.


neue stader 26. Juni 2002


Weitere Veröffentlichungen:

»Nicht die halbe Wahrheit« - die tageszeitung (27. Dezember 2002)

Geschichte, die nie vergeht... - Antifaschistische Nachrichten (30. Januar 2003)

Für eine Schachtel Zigaretten - Gazette (15. März 2003)

Erinnerungskultur in der Provinz - Kulturserver Niedersachsen (22. April 2003)

Feinkost und Massenmord - Ossietzky (Nr. 8 / 19. April 2003)

Ein offenes Geheimnis - jungle world (Nr. 20 / 7. Mai 2003)


Der Feinkosthändler - Eine wahre Geschichte aus der deutschen Gegenwart


Nicht geächtet - sondern geachtet - GEW aktuell (Herbst 2003)