VVN-BdA Stade

Chronologie neofaschistischer Aktivitäten

im Landkreis Stade


Vergessene Opfer
Einleitung

»Entbindungsstätten«

Zwangssterilisation
Euthanasie
Literatur

Neofaschismus
Einleitung

C h r o n o l o g i e
der Straftaten

Überfall in Kutenholz

NPD
Deutsche Partei

Bündnis Rechte
Der Stahlhelm

A r c h i v

Revanchismus
Einleitung
Goldap
Ostpreußen
Schlesien

Presseartikel
A r c h i v

Erinnerung & Vermächtnis
Einleitung

Aktionen
Aktuelles

Archiv

home


Keine Gewähr für externe Links.

© VVN-BdA Stade 2003


2000


21. Januar 2000
Auf ein von 42 Flüchtlingen bewohntes Haus in Harsefeld wird ein Brandanschlag verübt. Ein Molotow-Cocktail wurde gegen ein Fenster geschleudert, gelangte aber nicht ins Gebäude. Dadurch wurde eine Brandkatastrophe verhindert.

25. Januar 2000
Die Polizei fasst fünf Täter, die an dem Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in Harsefeld am 21.1. beteiligt waren. Die Täter sind geständig. »Zwar müsse der Hintergrund des Anschlags auf die Asylbewerberunterkunft noch näher erforscht werden, eine rechtsextreme Motivation sei aber nicht erkennbar«, so ein Polizist vom Staatsschutz.

27. Januar 2000
In der Nacht zum 28.1. werden in Horneburg mehrere Stellen (u.a. Realschule, Bahnhof, Kirche, ein Geschäft) mit Hakenkreuzen und SS-Runen beschmiert. An einem Geschäft, dessen Inhaber aus der Türkei stammt, werden die Fensterscheiben zertrümmert. Die Täter werden etwa drei Monate später ermittelt. Es handelt sich um zwei Skinheads aus Horneburg und Bremervörde.

16. Februar 2000
In einem Interview mit dem Wochenblatt erklärt der Stader Polizeisprecher John trotz einer Häufung von neofaschistischen Schmierereien und Anschlägen sowie bekanntgewordener »Stahlhelm«-Aktivitäten: »Nein, der Kreis ist keine rechte Hochburg.«

19. Februar 2000
In Neuenkirchen bei Horneburg wird ein 28-jähriger Türke aus dem Raum Hannover von drei Neonazis zusammengeschlagen. Zuvor hatten die drei eine Frau veranlasst, per Internet einen ausländischen Freund zu suchen (»Deutsches Mädchen sucht ausländischen Freund«), worauf sich der Mann meldete. Unter einem Vorwand wurde er in eine Neuenkirchener Wohnung gelockt, wo ihm dann u.a. das Nasenbein zertrümmert und er - am Boden liegend - getreten wurde. Er konnte mit einem angehaltenen Auto entkommen. Beteiligt an der Tat ist Lars Hildebrandt, der Haupttäter des Überfalls auf eine Kutenholzer Flüchtlingswohnung am 19.5.1999.

Anfang März 2000
Die Grundschule in Ahlerstedt und das Harsefelder Rathaus werden mit Hakenkreuzen, SS-Runen und anderen faschistischen Parolen besprüht.

März 2000
Schwerpunkte des 40 Mitglieder umfassenden JN-Landesverbandes (NPD-Jugendorganisation) liegen nach Aussage des im März vorgestellten niedersächsischen Verfassungsschutzberichtes für 1999 in den Regionen Buxtehude und Verden.

8./9. März 2000
In Fulda beschließen BFB (Bund Freier Bürger), DP (Deutsche Partei) und DSU (Deutsche Soziale Union), sich zu vereinigen. Die DSU machte kurze Zeit später einen Rückzieher. In Apensen (Landkreis Stade) wohnt der DP-Funktionär Wilken Weseloh, ein Befürworter der Fusion.

12. April 2000
Einen erheblichen »Aufwärtstrend« bei rechtsextremistischen Straftaten gab es im Landkreis Stade. Waren es 1998 noch 62 Taten, so gab es im folgenden Jahr 88. Das ist eine Zunahme von 42 Prozent. (Aussagen bei Vorstellung der Kriminalstatistik 1999).

22. Mai 2000
In Stade-Hahle werden zwei Türken mit neofaschistischen Parolen beleidigt, bedroht und tätlich angegriffen. Die zwei Täter werden von der Polizei gestellt. Es wird wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Volksverhetzung ermittelt.

30. Mai 2000
Im Prozess gegen die Täter vom 19.5.1999 (Überfall auf Flüchtlinge in Kutenholz-Aspe) wird Lars Hildebrandt zu 18 Monaten Gefängnis, die übrigen vier Angeklagten zu Bewährungsstrafen verurteilt. Allen wird mehr oder weniger geglaubt, dass sie sich von neofaschistischen Strukturen lösen bzw. gelöst haben. Dass ein in dieser Angelegenheit bereits zu einer Jugendstrafe verurteilter Zeuge mit einem Ärmelaufnäher »Kameradschaft Elbe-Weser« erscheint, veranlasst das Gericht nicht zu Nachfragen. Die Opfer des Überfalls sind zwar als Zeugen geladen, werden aber nicht gehört. Prozessbesuchern gegenüber sagen die Opfer nach der Verhandlung aus, dass sie bereits vor dem Überfall Morddrohungen erhalten hatten.

9. Juni 2000
In Stadersand kommt es am Abend zu einer Schlägerei, bei der Strandbesucher, die dort Ball spielen, von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen werden. Fünf Streifenwagen sind im Einsatz. Die Jugendlichen sollen der rechten Szene angehören. Bis jetzt liegen der Öffentlichkeit noch keine weiteren offiziellen Informationen dazu vor.

28. Juli 2000
Im Umkreis einer Stader Schule tauchen Aufkleber der JN (Junge Nationaldemokraten, Jugendorganisation der NPD) auf, die von einem couragierten Bürger abgerissen werden, der auch die Polizei informiert. Im Gegensatz zu den Äußerungen vom Stader Polizeisprecher John: »...das letzte Mal vor etwa zwei Jahren...« steht fest, dass permanent neofaschistische Aufkleber der NPD in Stade auftauchen.

7. September 2000
Zwei Teilnehmerinnen eines Qualifizierungskurses an der Volkshochschule Buxtehude erhalten ausländerfeindliche Post. Die Staatsschutz-Abteilung der Stader Polizei ermittelt. Polizeisprecher John sagt: »Den jungen Frauen ist vorgeworfen worden, anderen Leuten die Kursplätze an der VHS Buxtehude wegzunehmen« und ergänzt: »Außerdem ist ihnen angeraten worden, in ihre Heimatländer zurückzukehren.«

19. September 2000
Ein junger Mann aus Stade wird vom Stader Jugendgericht zu einer Geldstrafe von 1500 DM verurteilt für seine Beteiligung am Überfall vom 22. Mai 2000 in Stade-Hahle. Der Richter setzt die Strafe dabei höher als der Staatsanwalt, der lediglich 1000 DM gefordert hatte. Der Haupttäter erschien nicht zur Verhandlung und wird jetzt per Haftbefehl gesucht. Damit hat die Stader Justiz diesmal überraschend zügig gehandelt.

Grafitti in Steinkirchen (rupr)

Ende September/Anfang Oktober 2000
»Argumente statt Verbote - NEIN ZUM NPD-VERBOT!« heißt es auf Flugblättern und Aufklebern der NPD, die in Stade und anderen Orten des Landkreises auftauchen. Der NPD-Parteivorstand hatte am 15.08.2000 einen »Maßnahmenkatalog gegen das geplante NPD-Verbot« beschlossen und angekündigt Flugblätter und Aufkleber zu erstellen, die NPD-Mitglieder wurden aufgefordert »das Material zahlreich zu bestellen und zu verteilen«.

30. Oktober 2000
Eine Lokomotive des Stadtexpresses auf der Strecke Stade - Neugraben wird mit antisemitischen Parolen beschmiert. Die Lokomotive fährt während des ganzes Tages mit einem Davidstern auf Frontseite, indem das Wort »Jude« geschrieben wurde. Der antisemitische Spruch an der Seite des Lokomotive wird schon mittags von der Bundesbahn unkenntlich gemacht.

11. November 2000
Ein 18-jähriger Stader wird wegen Körperverletzung zu neun Monaten Haft, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Eine Arbeitsauflage von 60 Stunden kommt als flankierende Maßnahme hinzu. Der junge Mann hatte am 22. Mai, zusammen mit einem inzwischen verurteilten Bekannten, zwei Türken in Stade-Hahle tätlich angegriffen. Da er zum ersten Verhandlungstermin nicht erschienen war, wurde er in Handschellen aus der U-Haft in den Gerichtssaal geführt.

12. November 2000
»Der JN-Freundeskreis Stade wird es sich auch in Zukunft nicht nehmen lassen, durch die Straßen zu gehen, um an Stadtfesten teilzunehmen.« heißt es in einer Presseerklärung der Jungen Nationaldemokraten (Jugendorganisation der NPD). Anlass der Presseerklärung waren Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Mitgliedern der Jungen Nationaldemokraten während der »Kneipennacht« am 11. November in Buxtehude. Als Kontaktadresse gibt der JN-Freundeskreis Stade ein Postfach der NPD in Harsefeld an, das auch von der Wählergemeinschaft »Bündnis Rechte« benutzt wird.

13. November 2000
In Apensen kommt es zu einer umstrittenen Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an einen CDU-Kommunalpolitiker. Der Mann war Mitglied der Waffen-SS und wurde, als Parteiloser, erstmalig 1968 als NPD-Kandidat in den Stader Kreistag gewählt, bevor er 1970 zur CDU wechselte. Die Kandidatur des Kommunalpolitikers für die NPD hatte der Landkreis Stade bei seinem positiven Vorschlag für das Bundesverdienstkreuz nicht erwähnt. In der öffentlichen Diskussion um die Ordensverleihung werden von Leserbriefschreibern in der regionalen Tageszeitung die Funktion und die Verbrechen der Waffen-SS geleugnet. Ein CDU-Kommunalpolitiker behauptet im Stader Tageblatt: »Die 18-jährigen sind damals in diese Gruppierung gezwungen worden.« Als »Schandfleck« für Deutschland hat der jüdische Weltkongress die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS kritisiert.

9. Dezember 2000
Die Jugendlichen der Gruppe »Neue Brücken - Jugend gegen Rechts« berichten im Stader Tageblatt über ihre Beobachtungen und Erfahrungen mit neofaschistischen Tendenzen im Landkreis. »Skins haben meinen Bruder mit einem Messer bedroht, riefen vor unserem Haus 'Heil Hitler'«, sagt der 17-jährige Marko, andere fügen hinzu: »Rechte marschieren mit Fahnen durch Himmelpforten, ständig prangen neue Nazisymbole an Bushaltestellen und Hauswänden.«

16. Dezember 2000
Die Polizei verhindert nachmittags eine »Wintersonnenwendfeier« der JN (Jugendorganisation der NPD). Die Neofaschisten erhalten Platzverweise auf dem Gelände eines Bauernhofes in Eschede (Kreis Celle). Sie fahren daraufhin in einem Fahrzeugkonvoi nach Bargstedt und können hier abends - ungestört von der beobachtenden Polizei - ihre Veranstaltung durchführen. In einer Presseerklärung berichten die JN: »Anzumerken bleibt, das wir trotz der Schikanen noch am gleichen Abend unsere zwei Stützpunkte, Schaumburg Hannover-Land und Lüneburger Heide, erfolgreich gründen und mehrere Anwärter in unsere Reihen aufnehmen konnten.« Der Veranstaltungsraum in Bargstedt gehört dem stellvertretenden Landesvorsitzenden der NPD, Adolf Dammann aus Buxtehude-Neukloster.

21. Dezember 2000
Bereits zum drittenmal innerhalb kurzer Zeit sind Fensterscheiben und Wände am Dollerner Kindergarten »Auf dem Reller« mit neofaschistischen Symbolen (u.a. Hakenkreuze) und Parolen beschmiert worden.